Erfahrungsaustausch am 4. April 2019

Rollenveränderung in der Arbeitswelt 4.0 –  ein neuer Typ Führung ist gefragt

Die Auseinandersetzung mit der neuen Rolle und relevanten Kompetenzen von Führungskräften in der sich zunehmend verändernden Arbeitswelt nimmt in der betrieblichen Praxis zu. So auch in den teilnehmenden Unternehmen des Innovationsprojekts „Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0“ der AOK Niedersachsen.

Im Rahmen des dritten Erfahrungsaustausches lud die AOK Niedersachsen die Unternehmen zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Führung ein. Begrüßt wurden die Teilnehmer beim Projektunternehmen Sennheiser electronic GmbH & Co. KG durch Torge Brandenburg, Director Group HR bei Sennheiser, und Anouschka Gronau, Leitung des Innovationsprojekts „Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0“.
Was sind Herausforderungen in der Arbeitswelt 4.0 und welche neuen Anforderungen für Führung ergeben sich daraus? Was sind schon heute und insbesondere zukünftig Kennzeichen und Kompetenzen gesundheitsgerechter Führung? Mit diesen Fragen leitete die AOK Niedersachsen die Veranstaltung ein und gab einen ersten Einblick in aktuelle Ergebnisse des Innovationsprojekts.

 

Führung 4.0 in der betrieblichen Praxis

Wie die systematische Auseinandersetzung und nachhaltige Arbeit zum Thema Führung in der betrieblichen Praxis aussehen kann, stellten Christiane Schäfers, Personalleitung bei Stiebel Eltron GmbH sowie Alexander Epping, Personalleitung, und Matthias Niekamp, Betriebsratsvorsitzender, bei Assmann Büromöbel GmbH & Co. KG dar.

Frau Schäfers erörterte, dass Stiebel Eltron sich in den letzten Jahren verstärkt mit dem Thema Führung auseinandergesetzt habe. Dabei sind wichtige Bausteine entstanden, die noch in der Planung sind, den Führungsalltag im Unternehmen aber auch schon heute prägen. Hierzu zählen beispielsweise ein einheitliches Führungsverständnis, ein Zielbild für Führungskräfte sowie eine systematische Führungskräfteentwicklung. Dem Unternehmen war wichtig - insbesondere in Anbetracht des digitalen Wandels - Veränderungen aktiv zu gestalten und das Unternehmen neu auszurichten. Angelehnt an diese Standortbestimmung wurde die Rolle der Führungskräfte neu definiert und so eine wichtige Rahmenbedingung für Führung geschaffen. Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema wurde darauf Wert gelegt, alle Führungskräfte für diese Veränderungen zu gewinnen und zu befähigen diesen Weg aktiv mitzugehen. Als Erfolgsfaktor hierfür sieht das Unternehmen die Unterstützung der Geschäftsführung sowie einen direkten Praxisbezug zum Führungsalltag an. Darüber hinaus seien eine hierarchie- und bereichsübergreife Einbindung der Führungskräfte besonders erfolgversprechend. Dies dient dazu, unternehmensweite Schnitt- bzw. Verbindungsstellen zu identifizieren, Synergien zu nutzen und die neue Führungskultur im gesamten Unternehmen aufzubauen.

Das Unternehmen Assmann Büromöbel beschäftigt sich im Rahmen des von der AOK Niedersachsen begleiteten Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) mit dem Themenfeld Führung. Im Rahmen von „Führungswerkstätten“ wurde zum einen reflektiert wo die Kernkompetenzen gesundheitsgerechter Führung bereits in den unternehmensinternen Führungsleitlinien wiederzufinden sind. Zum anderen wurden gemeinsam mit den Führungskräften Handlungsbedarfe und Entwicklungspotenziale definiert. Diese werden u.a. in regelmäßig stattfindenden „Barcamps“ bearbeitet. Hier haben Führungskräfte die Möglichkeit, sich über aktuelle Herausforderungen auszutauschen, voneinander zu lernen und sich zu vernetzen. Darüber hinaus visiert das Unternehmen den Aufbau einer zentralen Führungskräfteentwicklung mit bedarfsorientierten Qualifizierungsangeboten an. Auch hier fokussiert das Unternehmen neue Herausforderungen, vor die die Arbeitswelt 4.0 Führungskräfte stellt. Als wichtige Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche und nachhaltige Arbeit im Themenfeld Führung sieht das Unternehmen die starke Einbindung des Betriebsrats als wichtigen Multiplikator an. Zudem sei es essentiell die Führungskräfte selbst zu beteiligen und den Austausch untereinander zu fördern.

Aspekte, die beide Unternehmensvertreter bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Führung in der modernen Arbeitswelt für wichtig halten, finden sich auch in den Ergebnissen des kürzlich stattgefundenen Fachforums der AOK Niedersachsen wieder. Dazu zählen beispielsweise eine Standortbestimmung zu Kompetenzen und Bedarfen der eigenen Führungskräfte, die Unterstützung der Geschäftsleitung sowie Raum für Austausch und Lernen. Dadurch kann der Transfer des Gelernten in die Führungspraxis gelingen.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Fachforums finden Sie hier.

 

Gesundes Arbeiten als Selbstverständnis – Führung auf Augenhöhe

Weitere Einblicke in neue Führungs- und Arbeitsformen bot Christian Diestelkamp, Mitglied der Geschäftsleitung bei der abat AG. In seinem Vortrag stellte er das Führungs- und Arbeitsverständnis der abat AG vor. Dabei bot er einen Einblick wie die abat AG klassische Hierarchien umdreht und das Prinzip „Management as a Service“ lebt. Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit bei der abat AG ist die selbstorganisierte, selbstwirksame Arbeitsweise der Beschäftigten in Projekten. Dadurch sollen Eigenverantwortung und Selbstständigkeit gefordert und gefördert werden.

Diestelkamp betont, dass diese Arbeit auf grundlegenden Werten wie Vertrauen, Respekt, Transparenz und dem Prinzip des gesunden Menschenverstandes basiert. Darüber hinaus sei der abat AG stets wichtig, Entscheidungen zu spezifischen Themen dort zu treffen, wo das größte Wissen dazu liegt. Dabei sei relevant die Menschen aktiv mit einzubeziehen, die von den Entscheidungen betroffen sind. Mit diesem Ansatz gelinge es dem Unternehmen eine sinnvolle, mehrwertstiftende (Zusammen)Arbeit zu schaffen sowie das Grundbedürfnis nach Selbstwirksamkeit eines jeden Beschäftigten für eine volle Potenzialentfaltung zu nutzen. Durch dieses Herangehen erschafft das Unternehmen eine Kultur, in der Mitarbeiterzufriedenheit und Gesundheit der Beschäftigten auf einem konstant hohen Niveau liegen. „Die abat AG macht seit 20 Jahren newWork… endlich wissen wir, wie das heißt“, so Diestelkamp.

Die AOK Niedersachsen bedankt sich bei Sennheiser electronic für die Unterstützung und Ausrichtung des dritten Erfahrungsaustausches im Rahmen des Innovationsprojekts „Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0“.